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+ Interview mit Kit Downes, dem heimlichen Artist in Residence + Berlin-London-Conversations 3 +
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INTERVIEW
JAZZAffine (i.e. Bettina Bohle) hat sich gestern Nachmittag mit Pianist und Organist Kit Downes getroffen, dem heimlichen Artist in Residence der Berliner Festspiele (3 Konzerte waren es, fast so viele wie die 4 von Tyshawn Sorey), der heute Nachmittag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche auftritt


Wie siehst Du die Berliner und Londoner Jazzszenen im Vergleich?

Berlin fühlt sich für mich ein bisschen wie meine zweite Stadt an, ich bin hier bestimmt einmal im Monat, für Proben und Aufnahmen. Berlin hat so eine interessante Szene, es gibt immer etwas Neues, neue Bands, neue Ideen, für mich fühlt sich die Musik sehr aufregend und zeitgenössisch an.

Berlin, London – ich kenne natürlich nur meine Ecke der beiden Szenen, aber ich empfinde sie eigentlich nicht als zwei verschiedene Szenen, weil es so viel sich überkreuzende Kommunikation zwischen den beiden Städten gibt. Ich denke einfach an meine Freunde und manche von ihnen leben in Berlin und manche in London. Wenn ich Oli [Steidle] oder Philipp [Gropper] in London sehe, fühlt sich das nicht komisch an, sondern wie Familie.

Was passiert beim heutigen Konzert in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche?

Ich werde erst ein Solo-Stück auf der Orgel spielen.

Du spielst nicht zusammen mit den Trondheim Voices?

Die Trondheim Voices singen nach mir 40 Minuten und erst am Schluss spielen wir 10 Minuten zusammen, ich war etwas überrascht, als ich gesehen habe, wie es im Programmheft angekündigt ist.

Zu meinem Solo-Set: Im Januar erscheint bei ECM ein Solo-Album mit Orgelwerken von mir, von der Platte spiele ich einige Stücke, das ist halb komponiert, halb improvisiert. Es gibt viele verschieden Wege sich der Orgel als Instrument zu nähern, es ist ein kumulatives Instrument. Wenn man laut spielen will, um den Raum zu füllen, muss man viele der Register ziehen und sie aufeinander schichten. Was ich mit meiner Musik mache ist ein bisschen anders, ich mag es, den Klang jedes einzelnen Registers zu finden und reinzuzoomen. Dann abstrahiere ich die Klänge der verschiedenen Register und packe sie nicht aufeinander, sondern nebeneinander.
Mit diesem Ansatz muss ich vor einem Konzert die einzelnen Klänge einer Orgel gut kennen, also bin ich vor ein paar Tagen um Mitternacht zur Kaiser-Wilhelm gegangen. Ich schreibe dann immer ein Blatt für jedes Stück (Foto), wo  ich die verschiedenen Register notiere und wann ich sie ändere, das ist schon ein bisschen Arbeit.

Dieser Ansatz funktioniert super auf kleinen Orgeln. Die Kaiser-Wilhelm ist aber ein großes Instrument, also werde ich ein bisschen diese Abstraktions-Technik und ein bisschen eine mehr konventionelle Orgel-Improvisations-Technik verwenden.
Man muss auch lernen, woher der Klang innerhalb der Orgel kommt, es macht einen großen Unterschied, ob die Orgelpfeifen direkt über deinem Kopf oder weiter oben rechts angeordnet sind. Wenn man improvisieren und dabei nicht mit logistischen Fragen beschäftigt sein möchte, muss man die Geographie des Instruments vorher kennen.

Foto: Kit Downes © unbekannt.
WAS BISHER GESCHAH

Im dritten Teil der Berlin-London-Conversations trafen zwei britische MusikerInnen, die sich kannten – die Pianistin Sarah Tandy und der Bassist Daniel Casimir – auf zwei Berliner MusikerInnen, die sich kannten – die Saxophonistin Silke Eberhard und den Schlagzeuger Kay Lübke (Foto). Die vier spielten Standards bis tief in die Nacht hinein, das Rad wurde hier nicht erfunden und man hat Derartiges wohl auch schon besser, ausgefeilter erlebt, aber die Stimmung auf der Bühne und ihm proppevollen Zuhörerraum war wunderbar. Einen "Anflug von Gemütlichkeit" spürte Silke Eberhard, so sagte sie irgendwann, und so war es auch. Kann auch mal nicht schaden.

Mehr zum gestrigen Abend s.u. JAZZFEST BERLIN IN DEN MEDIEN.
JAZZFEST BERLIN IN DEN MEDIEN

Offenbar liegen noch alle Jazzredakteure ermattet darnieder von der langen Radio-Jazznacht und dem seit Montag andauernden Jazzfest-Delirium, jedenfalls gibt es am heutigen Sonntag kaum Berichte über den gestrigen Festspielabend (außer von dem ewig emsigen Martin Hufner, der über Jazzpolizei und Jazzordnungsamt und deren Urteil über die gestrigen Auftritte von Nels Cline und Dr. Lonnie Smith schreibt; die Jazzpolizei war schon in Michael Rüsenbergs vor allem in Bezug auf den Rahmen etwas kritischem Beitrag über die Mangelsdorff-Preisverleihung Thema; Rüsenberg verliert auch ein paar wenige Worte über den Auftritt von Punkt.Vrt.Plastik gestern).

Wegen es noch nicht so großen Presseechos sei an dieser Stelle auf die Beiträge der Berliner Festspiele hingewiesen, die natürlich selbst immer auch das Programm angekündigt und begleitet haben. Im Blog bzw. Festspielmagazin [.pdf] (die viele Beiträge gemein haben, jeweils auf deutsch oder englisch und vice versa) sei noch mal empfohlen der Beitrag zu Miles Davis' Filmmusik zu "Fahrstuhl zum Schaffott", die musikalisch den Weg für seinen Welterfolg "Kind of Blue" bereitete, der Beitrag von Franziska Buhre zum bereits jahrzehntelang währenden Austausch der Berliner und Londoner Jazzszenen sowie der Beitrag von Matthias Kirsch über die Suche von Jazzsängerinnen nach Identität und individuellem Ausdruck. Auf dem facebook- sowie dem Twitter-Account der Berliner Festspiele finden sich viele Bilder und kleine Videos mit Interviews und Konzertausschnitten (wie auch der unten vom gestrigen Konzert des Trios Punkt.Vrt.Plastik).

Im Radio: rbb Kulturradio überträgt die letzten Konzerte des Festivals live (19 bis 24 Uhr). Mehr Informationen dazu hier.

Fotos:
Trondheim Voices © Promo (oben links)
Tyshawn Sorey  © John Rogers (oben rechts)
 Ingrid & Christine Jensen © Mathieu Rivard (unten links)
 John Beasley's MONK'estra @ John Beasley (unten rechts)

In concert:
Am letzten Festivaltag treten nachmittags Kit Downes und die Trondheim Voices in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche auf (mehr Informationen hier, das Konzert ist ausverkauft). Am späten Nachmittag (17:30 Uhr) gibt es eine Buchvorstellung zu der Conduction-Methode von Lawrence D. "Butch" Morris, der Anleitung zu Gruppen-Improvisation (mehr Informationen zu der Buchvorstellung hier, Eintritt frei), die Artist in Residence Tyshawn Sorey später im Konzert anwenden wird. Neben Sorey und seinem Ensemble aus Berliner Impro-MusikerInnen treten am Abend auf der großen Bühne im Festspielhaus noch die Schwestern Ingrid (Trompete) und Christine (Saxophon) Jensen mit ihrer Band und John Beasleys Thelonious Monk-Tribute-Band MONK'estra auf (mehr Informationen zu den Konzerten hier, es gibt keine Karten mehr).
Punkt.Vrt.Plastik @Jazzfest Berlin ©Berliner Festspiele / Twitter.
WEITERE INTERESSANTE KONZERTE am 5.11.17
  • 17 Uhr @Sowieso:  Sowieso Matinée mit Conny Bauer [Posaune] und dem eben noch beim Jazzfest Berlin spielenden Frank Gratkowski [Saxophon, Klarinette]. Mehr Informationen zum Konzert hier.
  • 21 Uhr @A-trane: David Bowie "Black Star"-Saxophonist Donny McCaslin mit seiner Bnd (Donny McCaslin [Saxophon] / Jeff Taylor [Stimme] / Jason Lindner [Tasteninstrumente] / Jonathan Maron [E-Bass] / Zach Danziger [Schlagzeug]). Hörprobe McCaslin hier, mehr Informationen zum Konzert hier.
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