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                     Acht Monate nach dem rassistischen Terroranschlag 


19. Oktober 2020


 
Acht Monate nach dem rechtsextremen Terroranschlag vom 19. Februar kamen wir wieder zusammen, um unserer neun Verlorenen zu gedenken.
Es fand ein gemeinsames Gedenken und Erinnern in Hanau Kesselstadt am Kurt-Schumacher-Platz, dem zweiten Tatort, dem Hanauer Heumarkt, dem ersten Tatort, und wie in den vergangenen Monaten auch immer am Hanauer Marktplatz am Brüder-Grimm-Denkmal statt.

Ein Jahr nach dem rechtsextremen Terroranschlag von Halle - 9. Oktober 2020 - Gedenkveranstaltung in Berlin

Angehörige und Überlebende von Hanau bei der Kundgebung in Berlin

Anlässlich des 1. Jahrestages des antisemitischen und rassistischen Anschlags in Halle haben wir in den vergangen Tagen an verschiedenen Orten Redebeiträge halten können. Dieser ist von der Gedenkdemo in Berlin:
 

"Wir begrüßen Euch ganz herzlich im Namen der Initiative 19. Februar Hanau. 

Heute, am 9. Oktober, ein Jahr nach den antisemitischen und rassistischen Anschlägen in Halle.

Heute, bald acht Monate nach den rassistischen Anschlägen in Hanau.

Heute, nur fünf Tage nach dem antisemitischen Anschlag in Hamburg.

Heute, in Deutschland im Jahr 2020 – 75 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus.

Heute, in Deutschland 2020 – wo Nazis wieder marschieren, in Kommentarspalten hetzen, es sich in Parlamenten, in Schulen und Behörden bequem machen. Wo sich Rechte ungestört in Polizei, Bundeswehr, Behörden organisieren. Heute, wo Migration immer wieder zum Problem oder sogar zur „Mutter aller Probleme“ erklärt wird. Heute, wo antisemitisches Gedankengut immer unverschämter in der Öffentlichkeit vorgetragen wird, antisemitische Bilder und Verschwörungstheorien immer wieder herbeizitiert werden. Wo gleichzeitig antifaschistische und antirassistische Arbeit kriminalisiert wird. Und täglich hören wir neue Meldungen von Einzelfällen und verwirrten Einzeltätern, die Menschen angreifen oder töten, weil sie nicht-weiß, weil sie migrantisch, weil sie jüdisch sind.

Es sind nun bald 8 Monate nach dem Terroranschlag in Hanau vergangen, bei dem 9 junge Menschen von einem Rassisten aus dem Leben gerissen wurden.

Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Ihre Mütter, Väter, Brüder und Schwestern, ihre Familien und Freunde müssen seitdem mit dem Schmerz und der Leere leben, die nie wieder gefüllt werden kann. Und schon wenige Monate später fordern die ersten Politiker die Rückkehr zur Normalität und das Ende der monatlichen Gedenken.

Ja, für viele sind Schmerz und Wut zur Normalität geworden: Die Wut über die Untätigkeit der Behörden, Polizei und Justiz, die die Tat von Hanau nicht verhindert haben. Die Wut über die Gesellschaft, die den alltäglichen und strukturellen Rassismus zulässt.

Serpil Unvar, die Mutter des ermordeten Ferhat Unvar, sagte: „Unsere Kinder dürfen nicht umsonst gestorben sein. Ihr Tod muss das Ende aller rassistischen Angriffe sein, er muss der Anfang sein einer Gesellschaft, in der alle Antirassismus von klein auf lernen, einer Gesellschaft, in der alle gleiche Rechte haben und ohne Angst leben können.“

Nichts ist mehr wie zuvor für uns. Nichts darf mehr wie zuvor weitergehen für die Verantwortlichen. Für die, die schweigen. Für die, die wegschauen. Für die, die vertuschen. Für die, die die Täter schützen und nicht die Opfer.

Betroffenheit und Lippenbekenntnisse reichen nicht, es ist Zeit für konkrete Konsequenzen. Die ganze Gesellschaft muss sich verändern. Es braucht ein genaues Zuhören und eine Solidarisierung mit den Betroffenen. Es braucht eine praktische Entnazifizierung – der Ämter und Institutionen, der Polizei und Behörden. Der strukturelle Rassismus muss konsequent und überall bekämpft werden, genauso wie der Alltagsrassismus, den alle Hinterbliebenen nur allzu gut kennen. Der Antisemitismus muss benannt und bekämpft werden. Das alles ist der Nährboden, auf dem der Hass der Täter überhaupt erst gedeihen konnte. Schauen wir in die Geschichte der letzten Jahrzehnte: Keiner der rassistischen und antisemitischen Terrorakte der deutschen Nachkriegsgeschichte hat zu ernstzunehmenden Konsequenzen für die Täter geführt. Es muss Schluss damit sein, dass Rechte sich so sicher fühlen!

Und wir müssen uns gegenseitig zuhören und gemeinsam gegen Rassismus und Antisemitismus stehen. In den letzten Monaten und Wochen kam es immer wieder zu gemeinsamen Begegnungen der Überlebenden und der Angehörigen, zu gemeinsamen Gedenken an die Opfer von Hanau, von Halle, von Mölln, Köln, Duisburg. Dort sagten die Angehörigen: „Das wichtigste ist jetzt alle Betroffenen der rechten Gewalt zusammenzubringen und sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam weiterzukämpfen.“

In Hanau, in Berlin, in Halle, in so vielen Städten setzen wir uns genau deshalb – gemeinsam – tagtäglich für eine lückenlose Aufklärung rechter, antisemitischer und rassistischer Morde und Gewalttaten ein. Für ein angemessenes Erinnern. Für Gerechtigkeit und politische Konsequenzen. Und vor allem: Für eine Gesellschaft, in der Rassismus und Antisemitismus nicht die Normalität ist, für niemand. In der wir nicht auf den nächsten Anschlag warten müssen. In der alle geschützt werden.

Die solidarische Gesellschaft der Vielen – das ist die einzige Normalität, die wir akzeptieren werden.

Die Familien zu Besuch bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin

Am vergangenen Mittwoch waren viele Angehörige in Berlin und haben den Bundespräsidenten im Schloss Bellevue getroffen. In seiner Rede bezieht sich Hr. Steinmeier u.a. auf die Rede von Serpil Unvar – Mutter von Ferhat, der am 19. Februar ermordet wurde –, die sie am 22. August bei unserer Kundgebung in Hanau gehalten hatte.


Mittschnitt der Veranstaltung mit Bundespräsident Steinmeier im Schloss Bellevue in Berlin am vergangenen Mittwoch. Ab Minute 16:40 spricht ebenfalls Saida Hashemi, die Schwester von Said Nesar, der am 19. Februar ermordet wurde:

 

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