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- 22.08.2020 -

 

Hanau ist überall


 



Nachdem Freitagabend kurzfristig die Demonstration am 22.08.20 wegen steigender Corona-Infektionszahlen verboten wurde, musste die Mobilisierung abgebrochen und das geplante Programm für den Samstag abgesagt werden.


Doch wir ließen es uns nicht nehmen, den Hinterbliebenen und Überlebenden, Freundinnen und Freunden unserer neun verlorenen Geschwister dennoch Gehör zu verschaffen und ihre Stimmen hinaus zu tragen.
Innerhalb von weniger als 24 Stunden war es durch die unermüdliche Tatkraft all unserer Unterstützerinnen und Unterstützer bundesweit möglich, den Elan, die Kraft und die Entschlossenheit, die man am Samstag nach Hanau tragen wollte, in die Verbreitung der Demonstration und der Kundgebung in ganz Deutschland zu stecken.

Dank unserer FreundInnen von United We Stream war es möglich, die unter strengen Auflagen und nur mit 249 Teilnehmern dennoch erlaubte Kundgebung auf dem Freiheitsplatz in unseren sozialen Medien ab 15 Uhr live zu streamen. Über Nacht wurden in mehr als 30 Städte bundesweit spontane Demonstrationen sowie das Ausstrahlen der Kundgebung auf mehr als 50 öffentlichen Plätzen angemeldet.

Die Dynamik, die sich die letzten Wochen aufbaute, ließ sich trotz sehr kurzfristigem Verbot nicht brechen. Die Anteilnahme und die Solidarität in ganz Deutschland zeigte uns wieder einmal, wie wichtig es ist, den Betroffenen zu zu hören und sie auch im Schatten einer Pandemie nicht verstummen zu lassen.
 

 

 Statement der Initiative zum 22.08.20


Es gibt kein Zurück zur Normalität, es wird nichts vergessen. Hanau ist sechs Monate her. Hanau ist überall.

Und dennoch klingt „Hanau“ heute anders, wenn man es in Berlin oder Freiburg, in Dortmund oder in Leipzig hört. Es ist etwas hinzu getreten - etwas, das nun untrennbar und auf lange Zeit mit der Stadt und ihrer Geschichte verbunden sein wird: Die Gesichter und Stimmen der Angehörigen, Familien, der Freund*innen der Opfer und der Jugendlichen aus Hanau, ihr Zusammenhalt, ihre Wut, Kraft und Trauer. Das Bild, das sie am Samstag zeigten, jede und jeder für sich und alle gemeinsam, ging in die Welt: „Wir lassen uns nicht zu Fremden machen und auch nicht zu Opfern. Wir geben keine Ruhe“.  Hanau weckt heute nicht nur um Empathie oder Mitleid, sondern Respekt und genaues Hinhören. Hanau ist nicht bloß ein Ruf nach Unterstützung -  Hanau gibt auch vielen anderen Kämpfen Kraft und Mut.

Fast 50 Menschen standen am 22. August auf der Bühne. Vor ihnen standen nicht die erwarteten 5000, sondern gerade einmal 249. Aber es hörten Zehntausende im ganzen Land zu, nicht nur vor Bildschirmen zu Hause, sondern auch auf öffentlichen Plätzen, in Cafés und Läden. Viele sagten uns, dass sie nun nochmal deutlicher verstanden haben, dass der 19. Februar mitnichten vorbei ist. Hanau, die Erinnerung genauso wie der Kampf der Angehörigen, Freund*innen und Unterstützer*innen, ihre Stärke und ihre Ausdauer ist jetzt überall. Auch wir selbst - die Initiative und die Menschen, die auf der Bühne standen, Angehörige, Überlebende - haben so viele berührende, beeindruckende, motivierende Rückmeldungen bekommen und haben viel Kraft und Mut aus diesem Tag und aus Euren Rückmeldungen geschöpft.

Die Unterstützung von Tausenden auf den Straßen Hanaus, sie konnte nicht stattfinden. Das fehlt und ist mit keinem Live-Stream zu ersetzen. Wir denken trotzdem, dass wir alle gemeinsam aus dem Verbot etwas Gutes machen konnten und dass es keineswegs ein Rückschlag war. Warum? Weil so das Herzstück des geplanten Tages – die Kundgebung der Angehörigen, der Freund*innen, der Überlebenden der rassistischen Anschläge in Hanau, in Halle, in Wächtersbach und in Mölln – stattfinden konnte. Weil ihre Stimmen groß und laut wurden, auf Plätzen, auf Straßen, in Euren Zimmern. Dafür danken wir Euch. Entschuldigen möchten wir uns bei den Menschen, die Reisebusse und Gruppen organisiert hatten und so wahnsinnig kurzfristig daheim blieben. Wir hätten gern mit Euch zusammen in Hanaus Straßen demonstriert.

Arbeit, Konsum, Fußball, Urlaub: Es wurde viel getan für die Wiedereröffnung der Büros, Fabriken und Einkaufsmeilen in den Corona-Monaten, die zugleich die Monate nach dem 19. Februar waren. Wäre der Elan in Bezug auf Hanau auch nur halb so groß gewesen, wäre den Hinterbliebenen sicher vieles erspart geblieben. Hier gab es geschlossene Jugendzentren, Hinhalterei und jetzt ein Demoverbot, das aus regionaler Perspektive konsequent war und dennoch auch die Absurdität der herrschenden Prioritätensetzung zeigt. Einer Prioritätensetzung, die genauso falsch ist wie sie uns nicht überrascht. Es trifft als erstes die, die es eben immer als erstes trifft. Und nebenan darf weiter in überfüllten „Konsumzonen“ geshoppt werden. 
In dem Verbot seitens der Stadt sehen wir aber, um es nochmal deutlich zu sagen, keine politisch motivierte Absage und nicht den Missbrauch der Corona-Regeln durch die Stadt, wie es mancherorts – vor allem außerhalb Hanaus - spekuliert wird. Die Demonstration wurde wegen (auch über das Wochenende der geplanten Demonstration hinaus weiter) steigender Corona-Zahlen in Hanau selbst und im gesamten Landkreis Main-Kinzig verboten. 

Der vergangene Samstag war ein wichtiger Tag. Wir danken allen, die ihn möglich gemacht haben. Allen, die dabei waren, die zugeschaut und zugehört haben, die mit dem letzten und den ersten Zug kamen, die ganze Nacht telefoniert, geschraubt, organisiert haben, über Nacht eine kleine Technikburg neben der Bühne aufgebaut haben um die Kundgebung in unzählige Wohnzimmer und öffentliche Plätze zu streamen. An die, die Sharepics gemacht und die Infos gestreut, die Texte geschrieben, Geld gespendet, Kaffee um drei Uhr nachts gebracht und auf die Kinder aufgepasst haben. An die Zeitungen, NGOs und bundesweite und lokale politische Organisationen, die ihre Internetauftritte zum Streamen bereitgestellt haben. An die über 50 Städte bundesweit, die über Nacht lokale Kundgebungen und Public Viewings des Streams organisiert haben.

Der 22. August hat für uns so stattgefunden, wie er war. Es gibt für uns nichts nachzuholen. Die durch Angehörige, Überlebende, Freund*innen geplante Demonstration sechs Monate nach den Anschlägen sollte kein Show-Event sein, das man nachholt. Wir machen weiter, und zwar gemeinsam hier vor Ort, gemeinsam bundesweit, gemeinsam mit Euch. Und dennoch: Auch die nächste Demo kommt bestimmt.

Wir geben keine Ruhe. Für lückenlose Aufklärung, für Gerechtigkeit und Unterstützung, für angemessenes Erinnern, für politische Konsequenzen.
 
Live-Stream der Kundgebung am 22.08.20

Die Stimmen der Betroffenen


Hier nochmal eine Zusammenfassung der eindringlichsten Worte der RednerInnen und dem Video der Kundgebung zu ihrem Redebeitrag.

 
Niculescu Păun - Vater von Vili Viorel Păun

Niculescu Păun erinnert uns nochmal an seinen Sohn Vili, der versuchte, den Täter mit dem Auto zu blockieren, die Polizei 4 mal anzurufen ohne eine Reaktion auf die Anrufe und am Ende auf dem Kurt-Schumacher-Platz vom Täter in seinem Auto erschossen wurde. Er fordert Konsequenzen und Aufklärung.
 
Niculescu Păun - Vater von Vili Viorel Păun 22.08.20
Emiş Gürbüz - Mutter von Sedat Gürbüz

"Sedat war unser erstes Kind. Er wäre jetzt 30 Jahre alt. Jetzt liegt er unter der Erde. Da wo kein Licht hinkommt. Ich will mein Kind zurück. Ich kann es nicht aushalten, dass mein Kind unter der Erde liegt. Deutschland steht in unserer Schuld. Das was uns weg genommen wurde, diese Schuld kann niemand begleichen. Wir wollen als Menschen behandelt werden. Dieses Land hat uns zu Opfern gemacht. Unsere Gesundheit unser ganzes Leben wurde zerstört. Der Friedhof ist meine Wohnung geworden. Wir leiden immer noch, wie am ersten Tag. Nichts von den Versprechungen wurde gemacht. Es wird behauptet, sie würden uns alles geben aber nichts davon stimmt. Wenn wir in den letzten sechs Monaten nicht überall Fragen gestellt hätten, würde uns heute noch niemand zuhören. So etwas soll nie wieder passieren. Die Behörden müssen tun, was getan werden muss. Damit Eltern keine Kinder mehr verlieren. Niemand soll erleben, was wir erleben müssen."

Emiş Gürbüz - Mutter von Sedat Gürbüz 22.08.20
Nesrin Unvar - Schwester von Ferhat Unvar

"Tot sind wir erst, wenn man uns vergisst. Und das werden wir nicht. Das hat mein Bruder Ferhat selbst gesagt, und nun liegt es an uns, seinen Worten zu folgen. Seine Gedanken waren immer scharf, seine Worte immer wertvoll, seine Taten voller Hilfsbereitschaft. Ich stehe hier als Tochter, als Schwester, als Mensch. Wir als Menschen müssen dafür sorgen, dass die Erinnerung etwas verändert. Ich möchte keine Angst haben, bei einer Bewerbung ein Bild abzuschicken und meinen Namen anzugeben. Wir werden niemals vergessen, wir werden niemals los lassen, wir werden niemals aufhören zu kämpfen."

Nesrin Unvar - Schwester von Ferhat Unvar 22.08.20
Serpil Unvar - Mutter von Ferhat Unvar


"Ich hätte ihm noch so vieles sagen müssen. Wir dachten immer, wir hätten noch Zeit. Ferhat war ein hochbegabtes Kind. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Lehrer ein Ausländerkind oft nicht akzeptieren. Ich habe immer wieder zu ihm gesagt, du musst mehr arbeiten als die anderen, weil du nicht die gleichen Chancen hast wie die deutschen Kinder. Ein Lehrer hat zu mir gesagt: "Entweder er geht von der Schule oder ich gehe von der Schule."  Er wollte noch studieren und er wollte noch ein Buch schreiben. Er war ein Kämpfer. Unsere Kinder dürfen nicht umsonst gestorben sein. Ihr Tod muss das Ende von Rassismus sein, ihr Tod muss der Anfang von etwas neuem sein. Von Schulen ohne Rassismus und einer Welt, in der wir alle gleiche Rechte haben. Wenn wir das geschafft haben, dann werde ich am Grab meines Sohnes stehen und ihm sagen: Das war dein Kampf und du hast es geschafft.

Serpil Unvar - Mutter von Ferhat Unvar 22.08.20
Karim Kurtović, - Bruder von Hamza Kurtović,

Trägt die Rede seiner Mutter Dijana Kurtović vor.

"Wir haben die ganze Zeit versucht, herauszufinden, wo unser Sohn ist. Warum haben sie uns nicht gesagt, wo sie die Verletzten hingebracht haben? Warum mussten wir acht Tage warten, um unseren Sohn zu sehen. Acht Tage ohne zu wissen, wie er ums Leben gekommen ist. Unbegründet und nicht verdient waren unsere Wurzeln der Grund für das ignorante Handeln der Beamten. Konsequenzen kann es nur dann geben, wenn auch Fehler eingestanden werden. Nur dann kann sich etwas ändern."

Karim Kurtović  - Bruder von Hamza Kurtović 
Abdullah und Mirza Unvar - Cousin und Bruder von Ferhat Unvar


"Der Täter hat nicht im Geheimen agiert. Er hat seine Ideologien im Internet verbreitet. Seine Waffen hatte er im Internet gekauft.  Wir fordern eine lückenlose Aufklärung der Tat. Wir fordern Aufklärung, weil die zuständigen Behörden seit Jahren auf den bestehenden Rassismus nicht reagieren. Rassismus muss thematisiert werden und auf allen Ebene im Keim erstickt werden. Rassismus tötet und wir werden keinen Millimeter von unseren Forderungen abweichen. Wir sind viel mehr und wir werden siegen. Hier noch eine Botschaft an alle Faschisten da draußen: Ihr habt neun geliebte Menschen von uns genommen. Ihr werdet es nicht schaffen, uns mundtot zu machen. Unsere Forderungen und Botschaften werden immer lauter. Das sollt ihr wissen."


Mirza

"Jeder Mensch ist gleich. Man braucht keine Waffen. Ruhe in Frieden."
Abdullah Unvar und Mirza Unvar - Cousin und Bruder von Ferhat Unvar 22.08.20
Çetin Gültekin - Bruder von Gökhan Gültekin 

"Hanau darf sich nicht wiederholen. in den letzten sechs Monaten gab es wieder keine Konsequenzen. Wie kann es sein, dass jemand eine Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft schickt und niemand etwas unternimmt? Während ich hier rede, ist irgendwo in Deutschland ein nächster rassistischer Anschlag in Planung und Behörden kriegen es wieder mit und werden nichts unternehmen.

Wie kann es sein, dass er einen Waffenschein bekommt? Er war mit seinem Vater seit 2002 Dauergast im Amtsgericht. 

Er hat rum geschrien "Nehmt mir meine Waffen weg!". Wieso wurden ihm die Waffen nicht weggenommen? Nicht alle Polizisten sind Rassisten aber das Problem ist doch, dass niemand bei der Polizei und im Behördenapparat sich wagt, den Mund aufzumachen! Darum brauchen wir unabhängige Anti-Rassismus-Beauftragte bei der Polizei und bei den Behörden.

Wie kann es sein, dass Feuerwehr, Krankenwagen schon am Tatort ist aber Polizei ist immer noch nicht da? Wo ist diese exzellente Arbeit, Bitteschön?

Dass er sich wenigstens entschuldigt, wäre das mindeste gewesen vom Bundespräsidenten.

Deshalb fordern wir den Rücktritt des hessischen Innenministers Beuth, dem das Versagen vor, während und nach der Tatnacht bewusst und bekannt war, und der es bis heute immer noch schönredet.

Hanau muss die Endstation sein. Hanau muss zur Zäsur werden.Will Deutschland seit 1989 bis heute den gleichen Weg weitergehen oder soll Hanau eine Kreuzung sein? Deutschland soll uns das beantworten.

Es muss sich nicht etwas sondern vieles ändern. Fangen wir heute bitte damit an. Wir werden keine Ruhe geben."

Çetin Gültekin - Bruder von Gökhan Gültekin 22.08.20
Sanau - Freund von Said Nesar Hashemi

"2008 lernte ich Nesar als eine loyale, selbstlose und hilfsbereite Person kennen, die nur das Gute im Menschen sah. Er und ich haben uns Silvester diesen Jahres ein Versprechen gegeben: Dass dieses Jahrzehnt unser Jahrzehnt wird. Wir haben uns hohe Ziele gesetzt. Er lebte gerne in Hanau, er liebte seine Heimat Kesselstadt. Das hat man daran gemerkt, dass er sein Autokennzeichen Kesselstadt widmete mit den Zahlen 454. "

Sanau - Freund von Said Nesar Hashemi 22.08.20
Ali - Freund von Ferhat Unvar 
 

"Ferhat war mehr als nur ein Kindheitsfreund. Er war mein Bruder. Das war, ist und wird er auch immer bleiben. Ich erinnere mich gerne an die Abende am Mainufer in Kessestadt zurück, an denen wir beide über die Gesellschaft, über Religion und über unsere eigenen Probleme und Ängste geredet haben und dabei die ein oder andere Träne verloren haben. 

Ich kannte nicht alle Opfer, doch keiner hat es verdient, aufgrund seines Aussehens oder seiner Hautfarbe zur Zielscheibe zu werden.

Wir leben in einem Land, welches aus seiner Geschichte nicht viel gelernt hat und nun dabei ist, die selben Fehler erneut zu machen.

Die Politik ist mit den Medien zusammen Brandstifter dieses Massakers. Politiker, die weg schauen und nichts unternehmen. Nun ist es zeit, die Augen zu öffnen. Es liegt an uns Bürgern. Es liegt an uns, um für Veränderung zu sorgen. Wir müssen dem rechten Pack zeigen, dass wir immer zusammen halten werden. Als eine Nation, die ihre Opfer nicht vergisst. Wir stehen gemeinsam an der Seite der Angehörigen und Freunde. Eine Nation, die alle Herkünfte, alle Religionen und jedes Aussehen toleriert. Wir stehen gemeinsam im Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, Islamhass und Rechtsradikalismus."

Ali - Freund von Ferhat Unvar 22.08.20
Piter Minnemann - Überlebender 
 

"An dem Tag, als meine Freunde erschossen wurden, wurde ich von der Polizei nicht ernst genommen. Ich war in der Arena-Bar und es war reines Glück, dass ich von den Schüssen des Täters nicht getroffen wurde. Ich habe den Täter noch in seinem Auto wegfahren sehen. Ich habe die Polizei gerufen und gesagt, dass auf mich und meine Freunde geschossen wurde. 

Der Täter war noch auf der Flucht und die Polizei sagte mir, ich solle zu Fuß 2,5 km zum Freiheitsplatz laufen, um dort meine Aussage zu machen. 
Ich sah die Furcht in ihren Augen. Sie versteckten sich hinter Schwerverletzten, statt erste Hilfe zu leisten. 

Aus meiner Erfahrung vom 19. Februar kann ich sagen, dass dies das erste und letzte mal war, dass ich die Polizei gerufen habe. Ich habe mein Vertrauen in die Polizei komplett verloren. Wenn sie sich wenigstens entschuldigen würden, ihre Fehler eingestehen würden, würde uns das viel helfen. aber nicht mal das bekommen sie hin."

Piter Minnemann - Überlebender 22.08.20
Peter Fischer - Präsident der Eintracht Frankfurt
 

"Wir können reden, wir können uns wehren, wir können laut sein, wir können ausgrenzen, wir können uns solidarisieren - egal woher wir kommen. Wir können klar machen, dass Rassismus keine Chance hat. Wir sind nicht nur gegen euch, sondern wir wollen euch nicht haben, Es darf euch niemals egal wo geben.

Wir brauchen niemanden, der zum kondolieren kommt. Ich drücke mein Beileid aus und dann fahre ich wieder nach hause. Wir brauchen starke Menschen, starke Politik, klare Kanten, für uns in unseren Anliegen.

Es darf nicht bei Kundgebungen bleiben, es darf nicht bei Erinnerungen bleiben.

Wir wehren uns gegen euch, weil wir mehr sind. Es wird kein Hanau mehr geben dürfen, wir sind ein Land das bunt ist, wir lieben uns, wir tauschen unsere Kulturen aus, wir besuchen uns im Urlaub, wir treffen uns abends in gemischten Runden.

In keinem Land gibt es eins: Dass man andere Menschen hasst aufgrund ihrer Religion, ihrer Hautfarbe, ihres Aussehens. 

Ihr habt hier und auf der ganzen Welt nichts zu suchen. 

Wir sind Hanau."

Peter Fischer - Präsident der Eintracht Frankfurt 22.08.20
Naomi Henkel-Gümbel - Überlebende des Anschlags Halle 9. Oktober 2019
 

"Dieser unbeschreibliche Schmerz. Das ist, was uns heute hier zusammen gebracht hat. Sie sind aus ihrem Leben gerissen worden, weil es sich jemand in den Kopf gesetzt hat, dass ihr Leben weniger wert sei. Aus purem Rassismus und purer Xenophobie. Die Liste der Opfer wird länger, die Zeitabstände zwischen den Taten wird kürzer, Rassismus wird wieder salonfähig.

Noch immer wird pathologisiert, wird von Einzeltätern geredet.

Kassel, Halle, Hanau. Es geht eben nicht wieder vorbei. Ich habe an meinem eigenen Leib am 9. Oktober erfahren, welche Konsequenzen es hat, wenn man weg schaut.

Es wird nicht vorbei gehen wenn wir uns nicht in Solidarität miteinander
dagegen stellen.

Nur wenn wir zusammen halten, schaffen wir es eine bessere Gesellschaft zu gestalten."

Naomi Henkel-Gümbel - Überlebende des Anschlags Halle (9. Oktober 2019) 22.08.20
Faruk Arslan - Verlor Mutter, Tochter und Nichte bei Brandanschlag Mölln 1992

"Ich gehe schon seit 29 Jahren diesen Weg. Im Sitzen hätte ich niemals so viel erreichen können. Ich habe eine riesengroße Familie. Wir wollen nicht, dass ihr uns bereichert. Wir wollen nur, dass ihr unserem Herzen zeigt, dass ihr für uns da seid. Aber leider macht ihr das nicht. Ihr verbietet uns die Demos aber wir lassen uns nicht beeinflussen. 

in 50 Städten sind eure Stimmen angekommen und so wird es auch weitergehen. Bei uns war es nicht so. Mit kämpferischem Talent sind wir hier angekommen. Bis meine Beine nicht mehr mitmachen, werde ich diesen Weg gehen.

Herr Steinmeier, wissen Sie, wie sie am meisten helfen können? Wenn sie ihre Wünsche akzeptieren. Für ihre Eltern, ihre Frauen, ihre Mütter,. Damit sie auch sagen können "Jetzt fühle ich mich wohl, weil ich weiß, es geht jemand für mich diesen Weg."

Wir werden nicht still bleiben. Überall werden diese Demos weitergeführt, bis zum 19. Februar. Und auch da werde ich wieder hier sein."

Faruk Arslan - Angehöriger der Opfer des Brandanschlags Mölln '92 22.08.20

 

Wir beendeten die Kundgebung mit Musikbeiträgen von Azzi Memo, Rola und Credibil und Kutlu Yurtseven (Microphone Mafia)


Azzi Memo, Rola, Credibil - "Bist Du wach?"
Microphone Mafia /Kutlu Yurtseven - "Hi
ç unutmadik"
Wir bedanken uns bei den weiteren RednerInnen


Ajla Kurtović, Schwester von Hamza Kurtović
Vaska Zlateva, Cousine von Kaloyan Velkov
Carlos, Freund von Ferhat Unvar
Kerim, Freund von Said Nesar Hashemi
Parmies, Freundin von Sedat Gürbüz
Sercan aus Kesselstadt
Metin Unvar, Vater von Ferhat Unvar
Nadia Salih Adem, Frau von Bilal, der im Juli 2019 in Wächtersbach durch die Schüsse eines Rassisten schwer verletzt wurde.
Ismet Tekin, Besitzer des „Kiezdöner“ in Halle
 

Say Their Names

                                           

                                                 Ferhat Unvar
                                              Gökhan Gültekin
                                            Mercedes Kierpacz
                                              Hamza Kurtović
                                           Said Nesar Hashemi
                                              Kaloyan Velkov
                                               Sedat Gürbüz
                                              Fatih Saraçoğlu
                                               Vili Viorel Păun
 
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V.i.S.d.P.: Seda Ardal, Krämerstraße 24, 63450 Hanau
Herausgeber: Initiative 19. Februar Hanau
Gestaltung: Initiative 19. Februar Hanau
Fotos: Cigdem Ücüncü; Eda Temucin
Videos: Initiative 19. Februar Hanau


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