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Newsletter film-tv-video.de, 10.08.2016

Von grünem Wasser, Doping und Unsportlichkeiten

Die Olympischen Spiele in Rio haben begonnen, viele Medaillen sind schon vergeben, darunter auch ein paar an deutsche Teilnehmer — und einige unerwartete Vorfälle gab es auch schon: So musste etwa zu später Stunde das International Broadcast Center in Rio wegen eines Feueralarms komplett geräumt und somit auch die laufende Sendung aus dem gemeinsamen Studio von ARD und ZDF unterbrochen werden. In der deutschen Reitsportgemeinde gab es Aufregung über eine herabsetzende TV-Kommentierung gegenüber einer jungen Reiterin. Wer wollte, konnte erfahren, dass Schwimmstar und Medaillenweltrekordler Phelps sich schröpfen lässt. Heute wiederum rätselt die ganze Welt, wie das blaue Wasser beim Turmspringen quasi über Nacht grün wurde. Algen? Ein kaputter Wasserfilter? Ein Antwort darauf gibt es bis dato noch nicht.

Die üblichen Ingredienzien Olympischer Spiele — Sport, Wettkampf, Drama, Klatsch und Tratsch — wären somit schon nach den ersten Tagen des Events abgedeckt: präsentiert mit Jubel, Freude, Rätsel, Sorge, Spekulation und natürlich Emotion.

Business as usual? Nicht ganz, denn für ARD und ZDF könnten die Spiele in Rio aus anderen Gründen eine Zäsur darstellen: Das IOC unter Leitung von Thomas Bach hat Mitte 2015 ein über mehrere Jahre laufendes, länderübergreifendes Paket aus TV- und Multi-Plattform-Übertragungsrechten für Europa an Discovery Communications verkauft. ARD und ZDF gingen in den direkten Verhandlungen mit dem IOC leer aus. Und auch die Sublizenz-Verhandlungen mit Discovery blieben für Deutschland — anders als für Österreich und die Schweiz — bislang ergebnislos.

Wie wir die nächsten Olympischen Spiele in Deutschland sehen und ob ARD und ZDF dabei noch aktiv sein können, ist somit aktuell noch offen. Im Gespräch mit film-tv-video.de bedauern etwa die Technik-Verantwortlichen von ARD und ZDF in Rio diese Entwicklung: »Wir haben über die Jahre unsere technischen und organisatorischen Workflows immer weiter verbessert und dieses Mammutprojekt stets aufs Neue gestemmt — und natürlich hätten wir diese Herausforderung auch in der Zukunft gern wieder angenommen«, erklärt Gunnar Darge, Technischer Leiter vom ZDF. »Nun müssen wir uns mit der aktuellen Situation abfinden und wollen natürlich in Rio noch einmal zeigen, dass wir es können«, sagt Dieter Thiessen, Technischer Leiter beim NDR. (Einen Artikel zur TV-Technik von ARD und ZDF in Rio finden Sie online bei film-tv-video.de.)

Jenseits von Diskussionen um Rechte und Austragungsorte stellen sich natürlich noch jede Menge weiterer Fragen, wenn man Olympia in Rio verfolgt: Unsportlichkeiten verschiedener Dimension gehören dazu. So werden Sportler aus verschiedensten Gründen ausgebuht und geschnitten. Das hat etwa den deutschen Tennisspieler Dustin Brown getroffen, der mit Dreadlocks, coolem Auftreten und lässigem Spiel normalerweise als ikonische Ausnahmeerscheinung im Tennis gilt. Bei dessen Spiel buhte das Publikum ohne wirklichen Anlass ausgiebig und jubelte dann sogar kurz, als er umknickte und sich verletzte (doppelter Kreuzbandriss). Erst als er sich unter Schmerzen am Boden wand, ebbte der höhnische, unsportliche Jubel aus Schadenfreude ab.

Komplizierter ist die Lage beim Schwimmen: Auch die russische Schwimmerin Julia Jefimowa wurde im Schwimmstadion massiv ausgebuht. Sie ist allerdings eine des Dopings überführte Sportlerin, hat also Verhalten gezeigt, das man als betrügerisch und unsportlich bezeichnen kann. Sie hatte im Vorfeld eine Dopingsperre für die Spiele in Rio erhalten, schließlich aber dennoch eine Starterlaubnis erstritten. Dafür wurde sie von den anderen auf dem Podium mit Nichtachtung gestraft und vom Publikum ausgebuht. Auch andere Schwimmer, die schon des Dopings überführt worden waren, aber dennoch starten durften, bekamen den Unmut der Konkurrenz und des Publikums zu spüren, wenn sie Siege errangen.

Kippt hier langsam etwas? Es wird jedenfalls auch viel Unschönes bei diesen Spielen sichtbar. Liegt das daran, dass immer mehr Beteiligte keine Lust mehr haben, den schönen Schein zu wahren und als Teil eines Schweigekartells zu agieren? War es also schon immer so — oder noch schlimmer — und wir kriegen nun halt mehr davon mit? Oder ist das System immer weiter verrottet und es lässt sich nun nicht mehr kaschieren, was früher noch verdeckt werden konnte? Wer die Politik des IOC unter Leitung von Thomas Bach im Vorfeld der Spiele verfolgt hat, der weiß jedenfalls, was die Offiziellen bei all dem sehen wollen: Business as usual.

Sie werden sehen.

Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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