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Newsletter film-tv-video.de, 18.04.2018

Heiter bis wolkig?
 
Die Vermarktungsmodelle in der Software-Industrie haben sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Beim Stichwort Disruption denken zwar die meisten in der Medienbranche an die Einschnitte, mit denen die Print-Medien und die Broadcaster kämpfen, aber in Wahrheit haben auch andere Bereiche der Medienbranche schon solche Entwicklungen hinter sich, oder stecken mitten drin. Und dazu gehören auch Teile der Software-Branche.

Um einigermaßen glaubhafte VFX fürs Kino herstellen zu können, musste man vor 15 Jahren noch Hunderttausende an Software-Lizenzgebühren bezahlen und Rechner für ebenso stattliche Beträge kaufen. Heute bekommt man die beeindruckend leistungsfähige VFX-Software Fusion von Blackmagic als Teil der Software Resolve mit dazu.

Die Folgen kann man besichtigen: 3D- und VFX-Spezialist Autodesk, früher bei der NAB stets mit eindrucksvollen, großen Ständen vertreten, hatte nach jahrelangem Reduktionskurs seine Präsenz in diesem Jahr auf eine Suite in einem dem Messegelände nahegelegenen Hotel reduziert.

Die meisten Software-Hersteller haben auf diese Situation reagiert und unter anderem ihren Vertrieb auf Subskriptionsmodelle umgestellt, also auf Abos, bei denen der Kunde seine Software für einen bestimmten Zeitraum mietet — und direkt von den Servern des Herstellers runterlädt und mit diesem zwangsweise im Dauerkontakt bleibt. Große IT-Firmen wie Microsoft, Google oder Dropbox haben vorgemacht, wie das funktioniert.

Das ist aber nicht nur im Sinne der Hersteller sinnvoll, es kann auch für die Kunden vorteilhaft sein, wenn sie jeweils mit der aktuellsten Software-Version arbeiten und ihre finanziellen Belastungen besser verteilen können. Damit sind allerdings bei weitem nicht alle Kunden glücklich: Mancher wünscht sich die Autonomie zurück, ein einziges Mal für eine Software zu bezahlen und ab dann völlig unabhängig selber entscheiden zu können, wann, wo und auf welchem Gerät er sie nutzt und wann es Zeit fürs nächste Update ist.

Für die Software-Industrie wird das klassische, alte Modell aber finanziell immer unattraktiver. Sie bietet ihre Produkte daher verstärkt als »Software as a Service« (SaaS) in der Cloud an.

Während der NAB2018 kündigte etwa Avid an, den Media Composer für echtes Editing in der Cloud verfügbar zu machen, Arvato will Editmate als Cloud-Version anbieten, Aspera setzt seine File-Übertragungs-Software als SaaS-Service auf — und so weiter und so fort. Immer mehr Anbieter schwimmen auf dieser Welle.

Werden wir also in der Zukunft allein schon aus diesem Grund bei fast allem was wir tun, zumindest eine Cloud-Anbindung brauchen — oder gar ganz in der Cloud arbeiten? Bandbreiten und lokale Verfügbarkeit der Cloud-Services, sowie die Frage, wie weit man seine tägliche Arbeitsfähigkeit von Dritten abhängig machen will, spielen hier sicher eine entscheidende Rolle. Die Stoßrichtung ist aber eindeutig.
 
Sie werden sehen.
 
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
 

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