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Dein Lese-Letter zur Wochenmitte

Guten Morgen Peter!

schön, dass du dabei bist! Was dich im Lese-Letter unter anderem erwartet:

► Interview mit Taylor Lorenz von der New York Times

► Das Clubhouse-Status-Update 

► Wie Redaktionen und Institutionen Journalismus besser machen können

► Das Finale unserer Serie zu den Medientrends 2021

► Business Insider und Zeit Online mit Umsatzwachstum im Coronajahr

Washington Post-Chefredakteur Marty Baron geht in den Ruhestand

► Wie der Guardian seinen Styleguide nicht nur digitalisiert, sondern automatisiert hat

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Ein Blick in den Keller von Clubhouse

Die Begeisterung in Deutschland über die Social-Audio-App Clubhouse ist groß. So groß, dass die Gründer Paul Davison und Rohan Seth in ihrem jüngsten Clubhouse-Call die Entwicklung hierzulande extra betonten. Weltweit zwei Millionen aktive Nutzer registrierte die App vergangene Woche. Im Dezember waren es noch 600.000. 

Fans der App betonen immer wieder die niedrigen Hürden, um miteinander in den Austausch zu kommen, loben den respektvollen und umgänglichen Umgang untereinander, den man bei Facebook und Twitter sooft vermisst. Das ist die Fassade Clubhouse. Die andere Seite, das nicht sofort ersichtliche Innenleben, kennt Taylor Lorenz. Als Reporterin für die New York Times hat sie das Treiben im Keller von Clubhouse bereits persönlich erlebt.

Ich hatte gestern die Gelegenheit, mit ihr darüber und über die Entwicklung der App in den USA zu sprechen. Mit Kritik an Clubhouse und ihren Gründern hält sie nicht zurück, hat klare Worte parat. Sie sagt:
Im Interview berichtet sie von rechtsextremen Influencern und Bloggern, die hohe Reichweiten im Clubhouse erzielen und Politik gegen Minderheiten machen. Zu Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, wurde in einem Room der Holocaust geleugnet. Auch Desinformationen im Umgang mit Corona-Impfstoffen wird kein Einhalt geboten. Den Gründern wirft sie vor, von Beginn an die falschen Menschen in die Beta-Phase gelassen zu haben und nun nichts gegen die Entwicklungen zu tun. 
Statt ordentliche Moderations-Tools bereit zu stellen und die Plattform schärfer zu kontrollieren, förderten die Gründer Filter Bubbles. Als Antwort auf die rechtsextreme Bewegung im Clubhouse warb das Unternehmen schwarze Berühmtheiten an, um die Community auf die Plattform zu holen. Statt in die Sicherheit der Nutzer zu investieren, wolle man nun Influencer und Creator fördern. Angesprochen auf die bislang positive Entwicklung in Deutschland sagt sie: 
Im Interview spricht Taylor auch ihren eigenen Fall an, in dem Investoren aus dem Silicon Valley über sie hergezogen haben. Sie erklärt auch, wie sich Betrüger auf der Plattform breit machen und weshalb sie mit Blick auf die Biografie des Co-Gründers Paul Davison ein Muster in der Strategie des Ignorierens erkennt – selbstverständlich haben wir auch kurz über die aktuelle Zitate-Diskussion in Deutschland und das Missverständnis, Clubhouse als Raum für vertrauliche Gespräche zu werten, gesprochen. Das komplette Interview mit der anerkannten Reporterin der New York Times kannst du als Medieninsider hier lesen
Zum Interview

Status-Update: Wo Clubhouse investieren will

Clubhouse wächst nicht nur in der Reichweite, sondern auch finanziell. Das Unternehmen hinter der Social-Audio-App hat frisches Kapital eingesammelt, kommt laut Medienberichten nun auf eine Bewertung von einer Milliarde US-Dollar. Die Gründer haben bereits angekündigt, was sie mit dem Geld anstellen wollen. Die wohl am meisten beachtete Nachricht: Schon bald soll die Entwicklung einer Android-App beginnen. Ich habe dir alle aktuellen Entwicklungen rund um Clubhouse in einem eigenen Artikel zusammengetragen. Darin erfährst du auch noch einmal, was sich inhaltlich die vergangene Woche so getan hat (Stichwort: Ramelow).

Bonus: Ich habe den beiden Gründern am Sonntag in ihrem 'Townhall'-Meeting zugehört und  – pssst – aufgeschrieben, was sie abseits ihrer offiziellen Kommunikation noch preisgegeben haben. Den Artikel kannst du als Medieninsider hier lesen

Zum Artikel

Deine Adresse für Vertraulichkeit

Über unseren SSL-verschlüsselten Briefkasten kannst du uns vertraulich Informationen und Dokumente zuspielen. Du findest ihn unter medieninsider.com/briefkasten. Du kannst dich auch via Threema an mich wenden. 

Zum Briefkasten

Wie Institutionen und Redaktionen Journalismus verbessern können

Für gute journalistische Inhalte sind selbstverständlich allen voran Journalisten verantwortlich. Gewisse Rahmenbedingungen haben allerdings Einfluss darauf, wie einfach und zugleich intensiv sie ihrer Arbeit nachgehen können. Alexandra Borchardt, Journalismus-Professorin und Spezialistin für Medienwandel, geht in ihrer aktuellen Kolumne nach, wofür im Tagesgeschäft oft zu wenig Zeit bleibt: Sie nennt wesentliche strukturelle Aspekte, die zu einem besseren Journalismus beitragen können.

An welchen Stellen braucht der Journalismus bessere und gemeinsame Standards, wo müssen Redaktionen und ihr Management professionalisieren? Und wie kann die Politik helfen, ohne Einfluss zu nehmen? Antworten und Denkanstöße findest du in Alexandras aktuellem Text, den du als Medieninsider hier lesen kannst.

Zum Artikel

Über Journalismus spricht Alexandra Borchardt heute Abend auch im Mediensalon. Es wird sicher auch darum gehen, was der Journalismus besser machen kann. Vordergründig geht es aber darum, wie sich die Medien und Journalisten in der Coronakrise geschlagen haben

„Corona und kein Ende: Wie schlagen sich Medien in der Krise?“ heißt das Panel, an dem auch Steffen Grimberg vom DJV Berlin und Franziska Augstein, SZ-Autorin und Spiegel-Kolumnistin, teilnehmen werden. Ich bin bin als Diskutant übrigens auch dabei – und du bist herzlich eingeladen. Einen Link zur Anmeldung findest du hier.

Medientrends: 2021 ist richtige (!) Führung gefragt

Der erste Monat des Jahres neigt sich dem Ende und damit beenden wir auch unsere Serie zu den Medientrends 2021. In der vergangene Woche hat Kristin Schulze von der FreeTech Academy noch einmal die Gedanken einer Journalismusausbilderin mit uns geteilt. Mein Co-Gründer Matthias und ich runden die Serie ab.

Er schreibt darüber, wie sich Paid Content 2021 aus seiner Sicht entwickeln wird und ich widme mich dem Thema Führung und Unternehmenskultur. In einer Sache bin ich mir sicher: Mit Verdrängung der Coronapandemie wird im Journalimus der Klimawandel wieder an Bedeutung gewinnen – nicht nur der meteorologische, sondern auch der redaktionelle. Führungskräfte müssen aufpassen, dass die aufgeheizte Stimmung in ihren Häusern nicht überkocht.

Marvin Schade: 2021 ist richtige (!) Führung gefragt

Matthias Bannert: Es wird leichter, mit Content im Netz Geld zu verdienen

► Kristin Schulze: Journalismus wird nicht mehr nur von Journalisten gemacht

Zur Übersicht

Mit Paid Content durch 2021

Wenn dich das Thema Paid Content und Subscriptions häufiger umtreibt, du auf der Suche nach einem Status-Update oder Inspiration bist, dann könnte der INSIGHT das Produkt sein, das du suchst! Auf 70 Seiten habe ich dir Wissenswertes rund um das Thema Paid Content zusammengefasst – neben Tor Jacobsen berichten auch Publisher wie Mathias Müller von Blumencron, Clara Vuillemin, Sebastian Matthes oder Stefan Ottlitz von ihren Erfahrungen. Als Medieninsider bekommst du den INSIGHT zum halben Preis. Mehr Infos findest du hinter diesem Link


Mehr News & Entdeckungen aus der Woche
zusammengetragen von Florian Boldt & Marvin Schade

Zeit Online steigert Erlöse 2020 um die Hälfte

Um 20 Prozent höhere Werbeerlöse als 2019, 80 Prozent mehr digitale Abonnenten als im Vorjahr: So habe Zeit Online seine Erlöse 2020 insgesamt um 50 Prozent steigern können, sagt Zeit Online-Chef Jochen Wegener im journalist-Interview. Die positive Entwicklung habe „gewiss mit dem Ansatz zu tun, aktuelle, evidenzbasierte Berichterstattung zu stärken“. Der Online-Ableger der Zeit sei seit einigen Jahren profitabel, habe den „beträchtlichen Vorschuss“ des Zeitverlags für den Aufbau des Geschäfts aber noch nicht zurückgezahlt. Das gesamte Interview kannst du hier nachlesen.

Business Insider steigert den Jahresumsatz und baut Redaktion aus

Springers US-Wirtschaftsmedium Business Insider hat 2020 den Umsatz um 30 Prozent gesteigert. Das Portal profitiere von einer Kombination aus wachsendem Abonnement-Geschäft und automatisierter Werbung, analyisiert das Wall Street Journal. Business Insider habe nach anfänglichen Einbrüchen der Werbeeinnahmen auf Strategieänderungen verzichtet und sich im Gegensatz zu vielen Konkurrenten bald erholt. Die Abonnentenzahlen hätten sich auf knapp 100.000 verdoppelt. Während Vice oder Buzzfeed Stellen abbauen mussten, habe Business Insider sogar rund 200 neue Mitarbeiter eingestellt. Weitere Informationen dazu findest du bei WSJ.com.

 

Neues Leistungsschutzrecht: Alphabet droht Australien mit Aus für Google-Suche

Googles Mutterkonzern Alphabet könnte bald die Suchfunktion in Australien abschalten. Hintergrund ist ein neues Mediengesetz, welches das Leistungsschutzrecht regelt: Google und Facebook sollen danach Lizenzgelder für die Verbreitung lokaler Medieninhalte zahlen. Bei Verstößen könnten Strafen in Millionenhöhe drohen. Sollte das Gesetz in Kraft treten, hätte Alphabet laut Melanie Silva, Google-Managerin für Australien und Neuseeland, „keine andere Wahl“, als die Nutzer künftig von der Google-Suche auszuschließen. Weitere Hintergründe erfährst du bei der Deutschen Welle.

Taboola gibt Fusion bekannt und geht in den USA an die Börse

Taboola, Spezialist für Inhalte-Empfehlungen, und die ION Acquisition Corp. 1 Ltd haben ihre Fusion bekanntgegeben. Das gemeinsame Unternehmen werde den Namen Taboola tragen und unter dem Symbol TBLA an der New York Stock Exchange notiert. Dort ist ION, eine Akquisitionszweckgesellschaft, bereits vertreten. Nach Bekanntwerden des Deals stieg der Börsenkurs von 13 auf bis zu 18 US-Dollar. Die Übernahme soll nach Unternehmensangaben im zweiten Quartal 2021 abgeschlossen werden. 2019 hatte Taboola bereits den Zusammenschluss mit Outbrain angekündigt – die Fusion war im Herbst 2020 jedoch abgesagt worden. Mehr dazu erfährst du bei Axios.

Twitter startet Community-Projekt Birdwatch gegen Fake News
User sollen Twitter künftig helfen, Fake News und Desinformationen von der Plattform zu verbannen. Für das Projekt Birdwatch sucht der Kurznachrichtendienst jetzt 1000 Mitglieder aus der Community, die ehrenamtlich als Moderator arbeiten wollen. Entdecken diese dann Tweets mit irreführenden Informationen, können sie erklärende Hintergründe als Anmerkung hinzufügen. In den Posts erscheint dann ein Symbol, das zu den Anmerkungen führt. Normale Nutzer sollen Tweets ebenfalls zur Überprüfung durch Birdwatch melden können. Vorerst ist das Projekt auf die USA beschränkt. Ob ein Ausrollen in andere Regionen geplant ist, lässt Twitter noch offen. Mehr zum Thema erfährst du im Twitter-Blog.

Twitter kauft Revue und steigt ins Newsletter-Business ein

Twitter erweitert sein Geschäftsfeld und übernimmt den niederländischen Newsletter-Dienst Revue. Ähnlich wie das US-Portal Substack dient Revue als Plattform für journalistische Newsletter. Mit der Übernahme wolle Twitter „Menschen helfen, sich über ihre Interessen zu informieren“ und gleichzeitig „Autoren eine Möglichkeit zu geben, ihr Engagement zu monetarisieren“. Nach der Übernahme hat Revue, das weiterhin unter eigenem Namen betrieben werden soll, bereits sein Preisschema angepasst. Newsletter können ab sofort kostenlos angeboten werden, von Einnahmen aus kostenpflichtigen Newslettern zieht Revue nur noch fünf Prozent ein. Über den Kaufpreis machten Twitter und Revue keine Angaben. Die Stellungnahme von Revue-Gründer Martijn de Kuijper findest du hier.

 

Washington Post: Chefredakteur Marty Baron geht in den Ruhestand

Martin „Marty“ Baron geht nach acht Jahren an der Spitze der Washington Post in den Ruhestand. Seine Entscheidung teilte er 66-Jährige in einem Brief an die Belegschaft mit. Als Chefredakteur habe er noch die US-Präsidentschaftswahl begleiten wollen. Ein Nachfolger für Baron ist noch nicht gefunden, sei aber nun eine der wichtigsten Aufgaben, so Herausgeber und CEO Fred Ryan. Baron trat 2012 als Chefredakteur im Newsroom der WaPo an und baute die Belegschaft von 580 Journalisten auf 1010 aus. Seit 2013 ist Amazon-Gründer Jeff Bezos Eigentümer der Washington Post. 

Mehr News aus dem Personalticker:

► Thomas Rabe verlängert als Bertelsmann-Chef

► ProSiebenSat.1 macht Ellen Koch zur Sixx-Chefin

Lesetipp

Sind dir im Lese-Letter schon mal ein paar inkonsequente Schreibweisen oder Formatierungen aufgefallen, Peter? Das kann daran liegen, dass mir hier und da mal eine Fettung oder Kursiv-Setzung durchgeht. Manchmal vergesse ich auch einfach, wie ich einen Titel (stern/Stern) zuletzt geschrieben habe. Ein Styleguide hilft natürlich, am Ende bleibt aber alles noch mühevolle Handarbeit. Der Guardian hat dafür jetzt eine Lösung gefunden und seine Richtlinien, die seit 1928 bestehen (und natürlich regelmäßig überarbeitet werden) nicht nur längst digitalisiert, sondern nun auch automatisiert.

Nach zwei Jahren Entwicklungs- und Betaphase ist der Typerighter-Check nun ausgerollt. Mehr als die Hälfte der Guardian-Artikel werden mittlerweile von einem Programm gescannt und Autoren auf Ungereimtheiten und Fehler hingewiesen. 13.000 Regeln haben die Entwickler des Guardian dafür programmiert. In jedem Text werden mögliche Fehlerquellen jetzt rot (falsch), gelb (zu überprüfen) oder grün (richtig) markiert. Falschgeschriebene Namen, Wortdoppelungen oder Rechtschreib- und Grammatikfehler sollen so vermieden werden. 

Der Guardian hat nun einen Werkstattbericht veröffentlicht, in dem er die Entwicklung, die Testphase und den Rollout beschreibt. Zugegeben: Dieser Lestipp ist etwas für Nerds, aber dennoch spannend. Du kannst ihn hier auf der Website des Guardian lesen

Ich wünsche dir eine schöne Restwoche! 
Viele Grüße

Marvin

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V. i. S. d. P.: Marvin Schade, Anschrift wie oben

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